Systemische Beratung

Der Systemische Ansatz geht von folgenden Annahmen aus: Wir sind eine Ganzheit, alle Teile sind wechselseitig miteinander verbunden. Soziale Systeme - und der Mensch ist in erster Linie ein soziales Wesen - funktionieren untereinander wie ein Mobile: kleinste Bewegungen oder Veränderungen werden auf das gesamte System übertragen und ebenso finden sich im Einzelnen die Bewegungen des Ganzen wieder.
Davon ausgehend werden Vorgänge in Systemen sinnvollerweise als Wechselwirkungsprozesse gesehen. Systeme regulieren sich selbst, das heißt, sie haben die Fähigkeit, nach dem Ungleichgewicht zurück in ein stabiles Gleichgewicht zu kommen.
Gemäß der konstruktivistischen Weltsicht "baut" sich jedes Individuum sein eigenes Konstrukt der Wirklichkeit, aufgrund seiner Wahrnehmung, welche u.a. erfahrungsabhängig ist.

Vorgehensweise

Die Systemische Therapie gehört in erster Linie zu den gesprächs- und klientenbasierten Therapien.
Zu Beginn der Beratung steht die Auftragsklärung - was ist das Thema? Diese gilt es regelmäßig zu überprüfen, da sich Ziele im Laufe der Sitzungen verschieben oder verändern können.
Mittels unterschiedlicher Methoden und Interventionen (Genogramm, Soziogramm, Aufstellungen, Skulpturen, etc.) und verschiedener Fragetechniken wird weiterhin vorgegangen. 
Bevorzugt angewandt werden wenige Termine pro Therapie mit größeren zeitlichen Abständen zwischen den einzelnen Sitzungen, in welchen die Klienten eventuelle neue Erkenntnisse aus den vorangegangenen Sitzungen in der eigenen Lebenspraxis anwenden und umsetzen können. Ebenso können sogenannte "Hausaufgaben" erledigt werden. Insofern setzt die systemtherapeutische Vorgehensweise den Schwerpunkt auf die Ressourcen und die Eigeninitiative des Klienten.

Hintergrundwissen

Systemische Therapie (auch: Familientherapie) ist ein psychotherapeutisches Verfahren, dessen Schwerpunkt auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen, insbesondere auf Interaktionen zwischen Mitgliedern der Familie und deren sozialer Umwelt liegt. Die Systemische Therapie unterscheidet sich nach Angaben ihrer Vertreter dadurch, dass weitere Mitglieder des für den Patienten relevanten sozialen Umfeldes in die Behandlung einbezogen werden.
Seit Ende 2018 ist die Systemische Therapie in Deutschland eine Kassenleistung, d.h. sie ist eine der drei zugelassenen Psychotherapieverfahren.
In den 1950er Jahren begann sich durch Nathan Ackerman und Virginia Satir ein familientherapeutisches Denken zu entwickeln.
Weiterführende Literatur u.a.:
Rainer Schwing & Andreas Fryszer
"Systemische Beratung und Familientherapie - kurz, bündig, alltagstauglich"